ND-Filter für Einsteiger

12. Oktober 2025

Wenn du schon einmal Fotos von fließendem Wasser gesehen hast, das seidig-weich erscheint, oder von wolkenverhangenen Himmeln, die dramatisch wirken, dann hast du die Magie von ND-Filtern erlebt. Dieser Artikel führt dich als Einsteiger in die Welt der Neutraldichtefilter ein und zeigt dir, wie du damit deine Fotografie auf ein neues Level heben kannst.

So meisterst du Langzeitbelichtung & kreative Effekte

Was ist ein ND-Filter und wie funktioniert er?

Ein ND-Filter (Neutral Density Filter) oder Graufilter ist im Grunde eine Sonnenbrille für deine Kamera. Es ist eine getönte Glasscheibe, die du vor dein Objektiv schraubst oder steckst. Ihre Hauptaufgabe ist es, die Menge an Licht, die auf den Sensor trifft, gleichmäßig und neutral zu reduzieren, ohne dass dabei Farbstiche entstehen.

Durch diese Reduktion des Lichteinfalls kannst du auch bei hellem Tageslicht längere Verschlusszeiten verwenden oder mit offenen Blenden (z.B. f/1.8) arbeiten, ohne dass dein Bild überbelichtet wird. Das eröffnet dir eine ganze Welt kreativer Möglichkeiten, die sonst nicht möglich wären.

Wofür braucht man einen ND-Filter?

Die kreativen Anwendungen

Die Kontrolle über das Licht mag technisch klingen, aber die Ergebnisse sind pure Kreativität. Hier sind die wichtigsten Einsatzgebiete:

  • Wasser und Wolken verwischen: Der klassische Einsatz! Verwandele rauschende Wasserfälle in seidige Schleier oder lasse Wolken am Himmel als dramatische Streifen erscheinen. Dies wird durch Langzeitbelichtungen von mehreren Sekunden oder sogar Minuten erreicht.
  • Porträts bei Sonnenlicht mit offener Blende: Möchtest du bei hellem Sonnenschein ein Porträt mit schön unscharfem Hintergrund (Bokeh) machen? Normalerweise würde das Bild dabei überbelichtet. Ein ND-Filter reduziert das Licht, sod du auch mittags mit Blende f/2.8 fotografieren kannst.
  • Menschenmassen verschwinden lassen: In belebten Städten kannst du mit Belichtungszeiten von mehreren Minuten bewegte Personen unsichtbar machen, da sie nicht lange genug auf dem Sensor „verweilen“, um abgebildet zu werden. So wirken Plätze auf einmal leer und gespenstisch ruhig.
  • Lichtspuren bei Nacht einfangen: Auch in der Nachtfotografie sind ND-Filter nützlich, um die Belichtungszeit so weit zu verlängern, dass die Scheinwerfer vorbeifahrender Autos zu durchgehenden Lichtlinien werden.

Welche Stärken gibt es?

Die ND-Filter Tabelle

ND-Filter gibt es in verschiedenen Stärken, die in Blendenstufen (Stops) oder als ND-Wert angegeben werden. Die folgende Tabelle hilft dir, den Überblick zu behalten:

BlendenstufenND-FaktorOptische DichteLichtdurchlassAnwendungsbeispiel
1ND2ND 0.350%Leichte Lichtreduktion für Porträts
2ND4ND 0.625%Leichte Langzeitbelichtung bei Bewölkung
3ND8ND 0.912.5%Für Porträts mit offener Blende bei Sonne
6ND64ND 1.81.6%Ideal für Einsteiger: Weiches Wasser in der Abendsonne
10ND1000ND 3.00.1%Extreme Langzeitbelichtungen auch bei strahlendem Mittagssonnenschein
⚠️ Für den Anfang wird oft ein ND64 (6 Blendenstufen) oder ein ND1000 (10 Blendenstufen) empfohlen, da sie sich für die beliebtesten Effekte eignen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung: So verwendest du einen ND-Filter

Der Umgang mit ND-Filtern ist einfacher, als es scheint. Folge einfach diesen Schritten:

  1. Vorbereitung ohne Filter: Stelle deine Kamera auf ein stabiles Stativ. Wähle deinen Bildausschnitt, stelle den Fokus scharf und nimm ein Testbild ohne Filter. Notiere dir die Belichtungszeit, Blende und ISO.
  2. Belichtungszeit berechnen: Nun musst du die neue Belichtungszeit berechnen. Bei einem ND1000-Filter (10 Stops) verlängert sich die Zeit um den Faktor 1000. Aus 1/125 Sekunde werden also 8 Sekunden. Hierfür gibt es praktische Apps (z.B. „LongTime“), die die Berechnung abnehmen.
  3. Filter anbringen und Kamera einstellen: Schraube den Filter vorsichtig auf das Objektiv. Schalte den Autofokus (AF) ab und stelle auf Manuellen Fokus (MF), da die Kamera durch den dunklen Filter nicht mehr zuverlässig fokussieren kann. Stelle auch den Manuellen Modus (M) an der Kamera ein.
  4. Aufnahme machen: Verwende am besten einen Fernauslöser oder den Selbstauslöser der Kamera, um Erschütterungen zu vermeiden. Bedecke während der langen Belichtung den Sucher, da sonst Streulicht eindringen und die Aufnahme ruinieren kann.
  5. Verschiedene Filtertypen: Schraubfilter, Steckfilter & variable ND-Filter

ND-Filter gibt es in unterschiedlichen Bauformen:

  • Schraubfilter: Werden direkt auf das Objektiv geschraubt. Sie sind robust, einfach zu handhaben und platzsparend. Der Nachteil: Du brauchst für jedes Objektiv mit unterschiedlichem Filterdurchmesser einen eigenen Filter.
  • Steckfilter (Rechteckig): Werden in einen Halter gesteckt, der am Objektiv befestigt ist. Sie sind flexibler, da du mit Adapterringen einen Filter für verschiedene Objektive nutzen kannst. Besonders für Grauverlaufsfilter (GND) ideal, da sie sich vertikal verschieben lassen.
  • Variable ND-Filter: Hier kannst du die Stärke per Drehung des Filters stufenlos einstellen (z.B. von 2 bis 8 Blendenstufen). Sie sind sehr praktisch für sich ändernde Lichtverhältnisse, können aber bei starken Einstellungen zu Qualitätseinbußen führen.

Worauf du beim Kauf achten solltest

Dein erster ND-Filter muss nicht teuer sein, aber Qualität lohnt sich. Achte auf:

  • Farbneutralität: Billige Filter verursachen oft unschöne Farbstiche (meist blau oder rot), die du später mühsam korrigieren musst.
  • Vergütung: Ein mehrfach vergütetes Glas und ein Nano-Coating verhindern Reflexionen und machen den Filter resistent gegen Schmutz und Wasser.
  • Schlanke Fassung: Eine Ultra-Slim-Fassung verhindert eine Vignettierung (abgedunkelte Bildecken), besonders bei Weitwinkelobjektiven.
  • Empfohlene Marken: Für Einsteiger bieten Rollei, Hoya und K&F Concept ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Fortgeschrittene und Profis schwören auf Hitech oder Lee.

Fazit:

Einsteigen und ausprobieren!

ND-Filter sind ein fantastisches Werkzeug, um deiner Fotografie mehr Kreativität und Kontrolle zu verleihen. Beginne mit einem Filter mittlerer Stärke (z.B. ND64 oder ND1000) und einem Stativ, und experimentiere mit verschiedenen Belichtungszeiten an fließendem Wasser oder Wolken.

Die beste Methode ist, sich mit der eigenen Ausrüstung vertraut zu machen und einfach loszulegen – die Ergebnisse werden dich begeistern!

Zum Abschluss erklärt Benjamin Jaworskyj  noch etwas zum ND-Filter fotografieren.

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